Artikel von Erich Rathfelder zum Serbienbesuch der Kanzlerin

Jochen Vierheilig weist uns auf einen aktuellen Artikel in der taz hin:
http://taz.de/Merkel-besucht-Belgrad/!76773/

Advertisements
Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Interview mit Wolfgang Klotz, HBS Belgrad

Am 5. August interviewte Gerwald Herter vom Deutschlandfunk den Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung Wolfgang Klotz über den Grenzkonflikt zwischen Kosovo und Serbien. Das kann hier nachgelesen und nachgehört werden:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1521574/

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Eine Reise in Zeichnungen

Diese Galerie enthält 10 Fotos.

Mit Zettel und Stift haben wir unsere Gespräche, Tageserlebnisse und Eindrücke auch künstlerisch festgehalten. Zum Abschluss noch einige Zeichnungen, die im Laufe der Bildungsreise entstanden sind…

Galerie | Kommentar hinterlassen

Sonntag, 3. Juli 2011, Von Sarajevo aus gen Heimat

Letzte Einkäufe in Sarajevo

Einkaufen in Sarajevo

Den letzten Vormittag in Sarajevo verbrachten wir recht unterschiedlich. Einige nutzten die Gelegenheit, um sich noch einmal mit bosnischen Spezialitäten (Raki, Kaffee, Tücher, Früchte, Süßigkeiten, …) einzudecken, während andere die Stunden ruhig angingen und sich vom vergangenen Abend in der Barhana erholten. Denn viele unserer Mitreisenden wollten es sich nicht nehmen lassen, nach dem Ausflug nach Mostar und unserer abschließenden Gesprächsrunde, in der wir die Woche auswerteten und uns unsere Mitbringsel der Wochenaufgabe vorstellten, noch einen gemütlichen letzten Abend zusammen zu verbringen.

Mit vielen (Über-)Kilos im Koffer und an den Hüften sowie einem gefüllten Kopf voller interessanter, nachdrücklicher und bewegender Erlebnisse flogen wir am Nachmittag Richtung Heimat – zurück nach Dresden und Leipzig.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Samstag, 2. Juli 2011, Mostar – Über diese Brücke musst du gehen

Mostar (dt.: der Brückenwächter) der Stari most (dt.: die Alte Brücke) gibt der Stadt ihren Namen

Stari most (dt.: die Alte Brücke) - Mostar (dt.: der Brückenwächter) gibt der Stadt ihren Namen

Morgens früh um 7 Uhr am Bahnhof von Sarajevo: Der Zug nach Mostar steht bereit, die Reisenden freuen sich auf die Fahrt, doch bis es losgeht, brauchen wir noch eine Stunde Geduld. Denn wir warten noch auf einen Anschlusszug und so kann sich die deutsche Reisegruppe in Bosnien und Herzegowina in Ruhe mit dem schwedischen Zug vertraut machen. Dieser gemütliche Zug, die abwechslungsreiche Strecke mit wunderschöner Landschaft durch Tunnel, Gebirge und entlang der Neretva machen, wie von unserer Reiseleiterin Tina versprochen, die Wartezeit und das frühe Aufstehen vergessen. Die Zeit vergeht schnell und gegen Mittag erreichen wir die Hauptstadt der Föderation Bosnien-Herzegowina – Mostar.

Haben wir den gestrigen Tag noch am oberen Lauf der Neretva verbracht, befinden wir uns heute einige Kilometer weiter flussabwärts an ihrem Mittellauf. Der Fluss, welcher die Stadt in zwei Hälften teilt und hier von seiner wohl berühmtesten Brücke überspannt wird, macht Mostar zu einem Ort, der so viele TouristInnen anzieht, wie wir es von den vorangeganenen Tagen in Bosnien und Herzegowina nicht gewöhnt sind.

Trotz allem bleibt die bekannte Stari most (dt.: Alte Brücke) nicht nur wörtlich gesehen der Höhepunkt Mostars. Dies liegt zum Einen an ihrer Architektur, die sie im 16. Jahrhundert ein ingenieurtechnisches Meisterwerk sein ließ, aber vor allem an ihrer symbolischen Bedeutung für die Stadt. Ist der Westteil der Stadt rechtsseitig der Neretva vornehmlich von KroatInnen bewohnt, so haben sich im Ostteil vornehmlich BosniakInnen niedergelassen. Schon lange gilt die Stari most als Zeichen der Brücke zwischen Ost und West, zwischen islamischer und christlicher Welt sowie zwischen BosniakInnen und KroatInnen. Die Brücke wurde im November 1993 während des Bosnienkrieges zerstört und trennte somit die beiden Ufer wieder voneinander. Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Schnell wurde nach dem Krieg als Ersatz eine Drahtseilbrücke gebaut. Schon ab 1995 wurde mit dem Wiederaufbau der Stari most begonnen. Die Wiedereröffnung fand 2004 statt. Ein Jahr später erhielten Brücke und Umgebung den UNESCO-Weltkulturerbetitel aufgrund ihrer Symbolik der internationalen Zusammenarbeit und des Zusammenlebens der vielen religiösen, kulturellen und ethnischen Gruppen.

Weitere Anlaufstationen während unseres Stadtrundgangs sind unter anderem der Partisanenfriedhof für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, ein sog. türkisches Haus und die Karadjoz-Beg-Moschee. Sie wurde 1557 erbaut, während des Bosnienkrieges zerstört, mittlerweile aber ist sie restauriert und für TouristInnen geöffnet.

Die verbliebene Zeit nutzen wir sehr unterschiedlich. Einige sehen sich in weniger touristisch geprägten Stadtteilen Mostars um, während andere in kühlen Ecken und mit Getränken versuchen, der Mittagshitze zu entkommen, auf den Markt gehen oder sich an der Neretva abkühlen und die Männer Mostars beim Turm- und Brückenspringen beobachten.

Rückzu wählen wir den schnelleren Reiseweg mit dem Bus, der uns im Gegensatz zum Zug östlich die Neretva flussaufwärts führt. Noch einmal können wir uns an der schönen Landschaft Bosnien und Herzegowinas sattsehen, muss es doch reichen, bis wir ein nächstes Mal herkommen. Natürlich dürfen wir diesen letzten Abend nicht ohne bosnisches Essen verbringen. So halten wir auf dem Rückweg bei einem Lammessen entlang der Straße, um dort kiloweise frisch gegrilltes Lammfleisch mit Brot, Gemüse und gebackenen Kartoffeln zu essen. Das soll jedoch nicht der letzte kulinarische Höhepunkt gewesen sein, warten doch noch auf dem Weg zwischen Konjic und Sarajevo Gelegenheiten auf uns, um Kaffee, Eis und Honig zu kaufen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Freitag, 1. Juli 2011, Grün, Grüner, Neretva

Brücke über die Neretva in Konjic, End- und Verpflegungspunkt unseres Bootsausflugs

Von vielen lange ersehnt, von manchen bange erwartet: unser Tagesauflug an den Fluss Neretva zur Raftingtour. Bevor es in die Fluten ging und der Tagesausgang noch recht unsicher war, bekamen wir von unseren GastgeberInnen und zugleich für die Tour Verantwortlichen noch ein wunderbares zur Beruhigung geeignetes bosnisches Frühstück serviert. Danach hieß es entspannen, Neoprenanzug anziehen, sich langsam mit dem Gedanken abfinden, heute keinen Schönheitswettbewerb gewinnen zu können, Utensilien des Alltags wie Geld, Uhr und Handy ablegen, Schuhe anziehen, sich gegenseitig belustigt ansehen und schließlich noch Helm und Schwimmweste anlegen.

Mit Boot und Besatzung fuhren wir in Transportern die Neretva aufwärts, um dann in drei Gruppen mit jeweils einem erfahrenen Skipper an Bord aufzubrechen. Die wichtigsten Handgriffe waren kaum erklärt, da warteten schon die ersten kleineren Stromschnellen und Wasserduschen auf uns. Entlang einer unberührten, idyllischen Landschaft fuhren wir so circa drei Stunden durch enge Schluchten mit steil aufragenden Felsenwänden, flache Flussbetten und tiefgrüne Wälder auf einer türkisfarbenen Neretva, die nur manchmal einige schnellere Abschnitte bereithielt.

Zweimal hatten wir die Gelegenheit, uns an Land von der Paddelarbeit zu erholen. Während wir eine Pause zum Sonnen, Erholen und Baden nutzten, bot sich die andere für ein Gespräch mit Assad vom bosnischen Verein Grüne Neretva, einem weiteren Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung Bosnien und Herzegowinas, an. Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt diesen Verein, der sich für den Erhalt der Flusslandschaft einsetzt. Gründungsgrund war das Interesse der Mitglieder, einen Staudammbau zu verhindern, was ihnen – nachdem wir die Schönheit der Natur vor Ort bewundern konnten – zu unserer Freude auch gelungen ist. Der Verein möchte eine verträgliche Wasserkraftnutzung erreichen und befürwortet in diesem Zusammenhang sog. Miniwasserkraftwerke. Die 1000 Mitglieder, von denen 100 aktiv im Verein mitarbeiten, setzen sich ebenso dafür ein, dass der Fluss vor Verschmutzungen verschont bleibt.

Einen Teil dieser sehr zu befürwortenden Vereinsarbeit erklärte uns Assad während des anschließenden Essens, bei dem wir neben typisch bosnischen Kuchen zum Nachtisch viel Gegrilltes genießen konnten, darunter auch Fisch aus der Neretva. Vor der Abfahrt hatten wir noch die Möglichkeit, Konjic in einem kleinen Rundgang und Verdauungsspaziergang kennenzulernen.


 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Donnerstag, 30. Juni 2011, Tunneltour und Institutionenrundgang in Sarajevo

Sitz der Deutschen Botschaft in Sarajevo, eingemietet in das Gebäude der Vertretung der Europäischen Union

Unser Programm am Donnerstag war ehrgeizig, so standen für uns die Besichtigung des ehemaligen Versorgungstunnels bei Sarajevo, der Besuch der deutschen Botschaft sowie ein Gespräch im Bosnischen Parlament an.

Mit dem Bus erreichten wir die Ortschaft Butmir und das ehemalige Haus der Familie Kolar. Unter diesem Haus befand sich der Eingang zum „Sarajevo-Tunnel“. Die Arbeiten am Tunnel begannen am 28. April 1993. Der Tunnel stellte während der Belagerung Sarajevos durch das serbische Militär eine lebenswichtige Verbindung zwischen Dobrinja, einem Stadtteil am Rande Sarajevos, und dem außerhalb der Stadt gelegenen Butmir dar. Er führte unter dem Flughafengelände hindurch und ermöglichte den Transport von Lebensmitteln, Waffen und nicht zuletzt war er eine Möglichkeit zur Flucht aus der Stadt.

Die Familie Kolar hat in ihrem ehemaligen Wohnhaus heute ein Museum zur Geschichte des Tunnels eingerichtet. Obwohl der mühsam gegrabene Verbindungsweg nur 800m lang war, brauchten die ihn durchquerenden Menschen oft mehrere Stunden, da sie schwer bepackt oder verletzt waren oder es mehrfach auch zu Einstürzen im Tunnel kam, die immer wieder repariert werden mussten. Im Durchschnitt nutzten 4.000 Menschen pro Tag den Tunnel. Wir begingen einige Meter Tunnel, die unterhalb des Hauses rekonstruiert wurden und informierten uns in der Ausstellung. Die unglaublichen Mühen und Ängste der BewohnerInnen Sarajevos, die den Tunnel nutzen mussten, wurden an diesem Ort sehr deutlich.

Gegen Mittag verließen wir Butmir und fuhren zu unserem nächsten Programmpunkt, dem Besuch der Deutschen Botschaft. Franz Kaufmann, vom Kultur- und Pressereferat,  referierte für uns zur Geschichte Bosniens und gab uns Einblicke in die sehr komplexe Verwaltungs- und Regierungsstruktur des Landes mit seinen zehn Kantonen und noch mehr Verfassungen. Als Beispiel für die Arbeit der Botschaft vor Ort stellte er unter anderem den Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit dar. Das Wirtschaftsreferat der Botschaft beobachtet, analysiert und berichtet über die wirtschaftliche Entwicklung Bosnien und Herzegowinas. Es ist bspw. Ansprechpartner für deutsche Unternehmen, die bereits im Land tätig sind oder sich wirtschaftlich engagieren wollen. Als wirtschaftliche Sektoren mit dem größten Wachstumspotential nannte er die Metall- und Holzverarbeitung, die Fertigungsindustrie von Fahrzeugteilen, den Öko-Tourismus sowie das Bauwesen. Franz Kaufmann selber ist unter anderem für die Kulturarbeit der Botschaft zuständig und verwies auf einige Projekte, die durch die Botschaft gefördert wurden.

Als letzten Programmpunkt besuchten wir das Bosnische Parlament unweit der Deutschen Botschaft. Unser Referent Erdin Kadunic ist Politikwissenschaftler und machte sein Diplom am Berliner Otto-Suhr-Institut in seiner Heimatstadt Berlin. Er gab uns einen fundierten Einblick in die ebenfalls hoch komplexen bis kaum nachvollziehbaren Strukturen der täglichen parlamentarischen Arbeit. Ein sehr sensibler und stark kontrollierter Bereich ist der ethnische Proporz bei der Besetzung von Gremien und Ämtern. So muss bspw. das formal höchste Staatsorgan, das Staatspräsidium, immer aus drei VertreterInnen der drei Volksgruppen (BosniakInnen, SerbInnen, KroatInnen) bestehen, der Vorsitz rotiert jährlich.

Dass die Konzentration auf diese drei Gruppen jedoch andere Gruppen ignoriert und ausschließt, machte das Beispiel der Klage von Dervo Sejdić und Jakob Finci vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klar. Sie klagten letztes Jahr gegen einen diskriminierenden Passus in der bosnischen Verfassung: jüdische BosnierInnen und bosnische Roma dürfen hiernach bspw. nicht für hohe Staatsämter kandidieren, da sie nicht zu den drei in der Verfassung definierten Volksgruppen gehören. Das Gericht gab der Klage statt und sah in dieser Praxis einen klaren Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot.

Erdin Kadunic unterstrich noch einmal, wie drängend eine Verfassungsreform sei, um endlich effektivere politische Prozesse zu ermöglichen. Immer wieder wurde in unseren Gesprächen deutlich, wie wenig tragfähig das bisherige staatliche System zu sein scheint. Auch der EU-Integrationsprozess Bosniens wird durch diesen Status quo stark behindert.

Aber genauso klar wird, dass es keine einfachen, schnellen Lösungen gibt, wenn die bestehenden Konflikte nicht noch verschärft werden sollen. Erdin Kadunic stieß später noch einmal zu unserem (Vier-Gänge-)Abendessen dazu, so dass wir das Gespräch hier noch ein wenig informeller fortsetzten.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen