Mittwoch, 29. Juni 2011, Religionenvielfalt Sarajevos und Menschenrechtsarbeit in BuH

Anaid, unser allwissender Stadtführer, lud uns heute Vormittag auf einen Rundgang durch seine noch relativ junge, im Jahr 1455 gegründete, Heimatstadt Sarajevo ein. Die Besichtigung von orthodoxen Kirchen, römisch-katholischen Kathedralen, Moscheen (der Muezzin hat wieder gerufen) und einer ehemaligen Synagoge gaben einen Einblick in die Vielfalt der Religionen, die Sarajevo unter anderem den Beinamen „Klein-Jerusalem“ eingebracht haben. Ebenso konnten wir einen Blick in die Islamische Fakultät der Universität von Sarajevo werfen. Neben den unterschiedlichen Religionen wies uns Anaid auch auf die verschiedenen Relikte aus osmanischer und österreichisch-ungarischer Zeit hin sowie auf den Gegensatz von Wohn- und Handelsgebieten innerhalb der Stadt. Während wir in Ersterem mit der Zwirzina Kuca ein typisch bosnisches Wohnhaus zu sehen bekamen, wurden unsere Augen beim Anblick von Süßigkeitsauslagen, Kaffeesitzecken, Basaren und diverser anderer Läden im quirligen Geschäftszentrum der Stadt immer größer. Abgeschlossen wurde der Rundgang am Ort des Attentats von Sarajevo, bei dem der Thronfolger Österreich-Ungarns Franz Ferdinand und seine Frau ums Leben kamen. Den Jahrestag des Mordes hatten wir um einen Tag verpasst. Das Attentat geschah am 28. Juni 1914.

 

Frisch gestärkt an bosnischen Imbissen verbrachten wir den Nachmittag etwas außerhalb beim Helsinki Komitee (http://www.bh-hchr.org/index2.htm), einem Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung Bosnien und Herzegowinas. Leiterin des in Sarajevo ansässigen Länderbüros ist Mirela Gruenther-Decevic (http://www.boell.ba/web/11.html). In den Räumen des Hauses der Menschenrechte in Sarajevo (http://humanrightshouse.org/Members/Bosnia_and_Herzegovina/index.html) trafen wir auf zwei Mitarbeiterinnen des seit 1995 aktiven Helsinki Komitees. Diese unabhängige Nichtregierungsorganisation hat sich dem Schutz der Menschenrechte in Bosnien und Herzegowina verschrieben. Das Komitee bietet BürgerInnen kostenlose rechtliche Beratung, unterstützt die lokale Selbstverwaltung, initiiert Menschenrechtsschulen und setzt sich gegen Diskriminierung ein.

Dieser Einsatz ist notwendig, um der prekären Menschenrechtslage in Bosnien und Herzegowina entgegenzutreten. Diskriminierungen gibt es beispielsweise im Bereich der Bildung, des Gesundheitswesen und auf dem Arbeitsmarkt. Besonders Minderheiten sind von Diskriminierungen betroffen. In einem – gemäß der beiden Mitarbeiterinnen – Land ohne funktionierenden Rechtsstaat ist dieses Zeugnis um so drastischer, da die Judikative noch nicht in dem Maße entwickelt ist, als dass juristische Entscheidungen Verbesserungen herbeigefühen könnten.

In einem einmal jährlich erscheinenden Bericht gibt das Helsinki Komitee Auskunft über die Verletzung von Menschenrechten im Land. Ergänzt wird dieser Bericht mit Empfehlungen zur Behebung der Missstände, der an die entsprechenden staatlichen Stellen gerichtet ist. Die Zusammenarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung Sarajevo mit dem Helsinki Komitee betrifft Menschenrechtsprojekte, befasst sich mit Umweltrecht und der Kooperation mit „grünen“ Stadträten. Trotz vieler Rückschläge und des unübersichtlichen rechtlichen Systems in Bosnien und Herzegowina, motivieren die MitarbeiterInnen vor allem die Erfolge in der juristischen Beratung.

 

Stadtrundgang durch Sarajevo:

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